Stoma

Stoma – unser Ratgeber zum künstlichen Darmausgang

Allein in Deutschland gibt es derzeit etwa 120.000 Stomaträger. Dabei hat das Stoma an sich in der Medizin eine unglaublich lange Entstehungsgeschichte. Erste Aufzeichnungen zu Behandlungsversuchen, in denen Enterostomata zur Behebung von Darm- oder Harnleiterverletzungen eingesetzt wurden, gab es schon zu Zeiten der Antike. Und auch im Mittelalter wurde vielfach mit den Möglichkeiten künstlicher Darm-, Harn und sogar Luftröhrenausgänge experimentiert.

Dank des gut 2.500 Jahre langen Werdegangs ist das Wissen in Sachen Stoma heute relativ ausgereift. Dies kommt zum einen der Stoma-Technik selbst zu Gute, welche sich mittlerweile bei unzähligen Funktionsstörungen der Organe anwenden lässt. Zum anderen genießen Stomaträger dank modernster Technik eine wesentlich höhere Lebensqualität wie auch Lebenserwartung. Erfreulich für Betroffene ist des Weiteren, dass es seit mehreren Jahren einen offiziellen Welt-Stoma-Tag gibt, zu dessen Anlass gezielt auf das Schicksal von Stomaträgern hingewiesen und über technische Neuerungen informiert wird. Um die Aufklärung zu fördern und zur verbesserten Selbsthilfe von Patienten beizutragen, finden Sie hier unseren Ratgeber zum Thema Stoma.

Was ist ein Stoma?

© Pavle - Fotolia.com
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Der Begriff Stoma bzw. Enterostoma entstammt dem Altgriechischen und bedeutet übersetzt so viel wie ‚künstlich geschaffener Spalt‘ im Sinne einer Öffnung von natürlich geschlossenen Oberflächen. In der Medizin wird die Bezeichnung für künstlich geschaffene Darm-, Harnleiter- oder Luftröhrenausgänge verwendet, die immer dann notwendig werden, wenn entsprechende Organe ihre Aufgabe im Körper nicht mehr oder nur unzureichend erfüllen können. Unterschieden wird dabei zwischen folgenden Arten von Stoma:

  • Coecostoma – Stoma im Bereich des Blinddarms (Coecum)
  • Colostoma – Stoma im Bereich des Dickdarms (Colon)
  • Ileostoma – Stoma im dritten Abschnitt des Dünndarms (Illeum)
  • Tracheostoma – Stoma im Bereich der Luftröhre (Trachea)
  • Urostoma – Stoma im Bereich der Harnleiter (Ureter)

Eine moderne Stomaversorgung besteht heutzutage meist aus drei Teilen. Zur Aufnahme von abzuleitenden Körpersubstanzen, wie Stuhlgang, Urin oder Atemluft wird der sogenannte Ausstreifbeutel genutzt. Dieser ist außerhalb des Körpers am künstlichen Darmausgang angebracht und wird durch die Stomaplatte mit den innen liegenden Organen verbunden. Fortschrittliche Stomata besitzen darüber hinaus auch einen Stomafilter, welcher die Neutralisierung etwaiger Substanzgerüche erlaubt. Auf diese Weise wird der Alltagskomfort von Stomaträgern nachhaltig erhöht.

Gründe für ein Stoma

Ursachen, deretwegen eine Stomaversorgung für Patienten unerlässlich werden, gibt es viele. So sind für den Einsatz eines Tracheostoma beispielsweise häufig Entzündungs- bzw. Tumorerkrankungen des Kehlkopfes oder der Luftröhre verantwortlich. Ein Stoma im Bereich der Harnleiter wird dagegen in erster Linie durch eine gestörte Abgabe von Urin (z.B. durch chronische Harnleitererkrankungen) erforderlich. Letztendlich bestimmen also die Krankheitsursachen, welche Art von Stoma zu verwenden ist. Die am häufigsten genutzten Stomata sind in diesem Zusammenhang künstliche Darmausgänge. Ihnen liegt meist eine der folgenden Ursachen zugrunde:

Magen-Darm-Karzinom: Mit gut 72 Prozent ist Magen-Darm-Krebs die häufigste Ursache, deretwegen ein Stoma als künstlicher Darmausgang eingesetzt werden muss. Da die Erkrankung meist ein Entfernen ganzer Darmsegmente erfordert, übernehmen Enterostomata hier deren ursprüngliche Aufgaben innerhalb des Verdauungstrakts. Je nach Lage der Karzinome kann entweder ein Colostoma oder ein Ileostoma notwendig werden.

entzündliche Darmkrankheiten: Bei etwa 21 Prozent der Stomaträger liegt eine entzündliche Erkrankung des Darms vor, welche die Funktionalität des Verdauungstrakts beeinträchtigt. Zu den häufigsten Darmkrankheiten gehören diesbezüglich Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und Divertikulitis. Das üblicherweise verwendete Stoma ist das Ileostoma.

Fehlbildungen und Beschädigungen der Organe: Gemeinsam mit Unfallpatienten stellen Personen mit Organfehlbildungen rund 7 Prozent aller Stomaträger. Das Stoma wird in einem solchen Fall meist schon kurz nach der Geburt via Notfalloperation eingesetzt, um das Überleben des Säuglings zu gewährleisten. Sollte sich die Fehlbildung im Bereich des Dick- oder Dünndarms befinden, kommen logischerweise Colo- oder Ileostomata zum Einsatz. Sind hingegen Bilddarm oder Harnleiter von der Missbildung betroffen, verwendet man ein Coeco- oder Urostoma. Entsprechende Auswahlkriterien gelten auch für Organschäden, die durch Unfälle entstanden sind.

Stomaversorgung – worauf kommt es an?

© kidza - Fotolia.com
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Wie bereits erwähnt, gibt es zahlreiche Formen von Enterostomata. Doch auch die Stoma-Systeme selbst sind äußerst variabel. Insbesondere bei Colo-, Ileo- und Urstomata muss zwischen der permanenten Stomaversorgung und der temporären Stomaversorgung unterschieden werden. Während temporäre Stomata nur kurzfristig Anwendung finden, etwa zur Überbrückung von Organabschnitten während einer Operation, verbleiben permanente Stomata lebenslang im Körper von Stomaträgern.

Darüber hinaus gibt es zwei gängige Verfahrensweisen, mit denen die Stomaversorgung gelegt werden kann. Beim Endständigen Stoma geschieht dies durch ein Vernähen der Organenden mit der Bauchdecke. Ein Doppelläufiges Stoma erfordert hingegen das Ausstülpen der künstlich geschaffenen Organenden und dient meist der Verlegung eines temporären Enterostomas.

Sollten Sie zum Kreis der Stomaträger gehören, müssen Sie Ihren Stomabeutel regelmäßig auswechseln. Immerhin kann der Behälter nur eine begrenzte Menge an Ausscheidungen aufnehmen. Auch ist bei manchen Stomapatienten ein Stoma-Plattenwechsel von Nöten, sodass Sie mit eventuellen Folgeoperationen rechnen müssen.

Colostoma verspricht gute Reinigungsmöglichkeiten

Als meist eingesetztes Stoma der Welt ist das Colostoma dieser Tage am besten entwickelt. Auch die Angebote zur aktiven Selbsthilfe sind hier äußerst umfangreich. So können Sie zum Beispiel die Möglichkeit einer Stomadurchspülung (Irragation) nutzen, welche die Tiefenreinigung des Darms über den künstlichen Ausgang erlaubt. Wichtig ist jedoch, derartige Reinigungsmaßnahmen nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt durchzuführen.

Nährstoffdefizite durch Ileostoma möglich

Ähnlich wie das Colo- ist auch das Ileostoma zum Ableiten des Stuhlgangs gedacht. Allerdings befindet sich dieses Stoma am Dünndarm, wo normalerweise wichtige Nährstoffe aus der Nahrung gefiltert und dem Körper zur Verfügung gestellt werden. Stomaträgern, die eine Ileostoma-Vorrichtung besitzen wird deshalb zu äußerst gezielter Nährstoffaufnahme über die Ernährung geraten. Gegebenenfalls können Sie auch spezielle Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen, um Nährstoffdefizite auszugleichen.

Spezialbeutel bei Urostoma notwendig

Bei einem Urostoma müssen für die Ableitung des Harns spezielle Urostomiebeutel verwendet werden. Diese besitzen standardmäßig eine Sperrvorrichtung, welche den Rückfluss des Urins in die Harnleiter verhindert. Die Rücklaufsperre am Urostoma ist unerlässlich zur Prävention von Infektionen im Bereich der Basisplatte. Darüber hinaus gibt es bei dieser Art Stomaversorgung einen Nachtbeutel, der die abgelassene Flüssigkeit auch im Liegen sicher von der Stomaplatte fernhält.

Mögliche Komplikationen im Überblick

  • Ungeachtet dessen, um welches Stoma es sich handelt, birgt der operative Einsatz einige Risiken. In manchen Fällen wurden Verletzungen an Nachbarorganen, Blutungen, Darm- und Gefäßschäden dokumentiert. Auch kann es zu Entzündungen und Reizreaktionen kommen, die eine intensive Nachbehandlung erfordern.
  • Künstlich durchtrennte oder ausgestülpte Organenden neigen dazu, sich zu verengen. Zudem weisen sie aufgrund ihrer besonderen Sensibilität häufig Wundheilstörungen auf. Die Heilungsphase von Gewebe um die Basisplatte herum sollten Sie deshalb nach der Operation sorgfältig beobachten und von einem Arzt überwachen lassen.
  • Manchmal werden Komplikationen bei einem Stoma auch durch die Basisplatte ausgelöst. Infektionen, gestörte Wundheilung oder andere Reizreaktionen können diesbezüglich einen Stoma-Plattenwechsel erforderlich machen.
  • Das endgültige Zusammenspiel von Organabschnitten und dem Stoma nimmt unter Umständen einiges an Zeit in Anspruch. Bedenken Sie, dass das Enterostoma trotz allem einen Fremdkörper für Ihr Körpergewebe darstellt und unterstützen sie eine Harmonisierung durch besonnene Selbsthilfe und Pflege des künstlichen Darmausgangs.

Was Sie bei einem Stoma zusätzlich bedenken sollten

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Die richtige Ernährung spielt bei Stomaträgern mit Colon- bzw. Ileostoma eine sehr wichtige Rolle. Es gibt zahlreiche Lebensmittel, die für den Magen-Darm-Trakt nur schwer verdaulich sind und somit das Ableiten des Darminhalts in das Stoma erschweren können. Auch blähende Nahrungsmittel sollten nach möglichkeit vermieden werden, da sie für übermäßige Gasansammlungen im Stomabeutel sorgen könnten.

Vorsicht ist bei der Selbsthilfe darüber hinaus in Sachen Sport geboten. Natürlich dürfen Stomaträger sich gerne sportlich betätigen, um ihren Körper fit zu halten. Zu diesem Zweck gibt es sogar spezielle Hautplatten, die einen Stomabeutel vorübergehend ersetzen und den künstlichen Darmausgang sicher verschließen. Allerdings sollten Sie als Patient darauf bedacht sein, Ihr tägliches Workout schonend zu gestalten, um Verletzungen am Enterostoma vorzubeugen. Ebenso sind Kraftsportarten oder Berufstätigkeiten, in denen das Heben schwerer Lasten gefordert ist, für Stomaträger gänzlich verboten. Die Gefahr einer Hernie ist hier unwahrscheinlich groß. Legen Sie darum vermehrt Wert auf moderate körperliche Anstrengungen.

Fazit

Ein Stoma ist heutzutage die beste Option, wenn es darum geht, funktionsbeeinträchtigte Organabschnitte zu ersetzen. Damit Stomaträger aber so beschwerdefrei wie möglich leben können, ist im Umgang mit dem künstlichen Ausgang am Darm als auch bei der aktiven Selbsthilfe einiges zu beachten. Gerade das korrekte Reinigen des Stomasystems sowie das Auswechseln des Stomabeutels erfordern höchste Sorgfalt. Ebenso sind gewisse Ernährungs- und Alltagsumstellungen nicht auszuschließen. Wenn Sie dies beachten und im Rahmen der aktiven Selbsthilfe alle Möglichkeiten ausschöpfen, können Sie die Einschränkung der Lebensqualität durch ein Stoma auf ein Mindestmaß begrenzen.

 

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